Was soll ich studieren? Naturwissenschaftliche Forensik

von Thorsten Schütz | | in: Studiengänge

Der Studiengang „Naturwissenschaftliche Forensik“ wird in Deutschland ausschließlich von der Hochschule Bonn Rhein Sieg angeboten, genauer gesagt am modernen und sehr gut ausgestatten Campus Rheinbach. Aber was ist eigentlich „Forensik“? Wikipedia sagt dazu: „Unter dem Begriff Forensik werden die wissenschaftlichen Arbeitsgebiete zusammengefasst, in denen kriminelle Handlungen systematisch identifiziert beziehungsweise ausgeschlossen sowie analysiert oder rekonstruiert werden.“

Naturwissenschaftliche Forensiker arbeiten allerdings nicht als Spurensicherer an Tatorten und sie sind auch keine Gerichtsmediziner, die Obduktionen durchführen. Ihre Aufgabe ist die Laboranalytik, also z.B. die Analyse von DNA-Spuren, die an Tatorten vorgefunden wurden, oder von beschlagnahmten Drogen. Die Studenten erlernen die analytische Methoden am Beispiel forensischer Fragestellungen, können ihre Kenntnisse im späteren Beruf aber auch in ganz anderen Bereichen einbringen - wie in Pharma- und Chemieunternehmen, in privaten Biologielaboren, materialwissenschaftlichen Laboren oder in staatlichen Untersuchungsämtern. Mit den gleichen chemischen Methoden, mit denen man beispielsweise den Reinheitsgrad von Kokain untersucht, lassen sich nämlich auch pflanzliche Arzneimittel analysieren oder Trinkwasserproben untersuchen. Landeskriminalämter kommen natürlich auch als Arbeitgeber in Frage, bieten aber deutlich weniger Arbeitslätze als die Industrie.

Der Leiter des Studiengangs, Prof. Dr. Wolfgang Fink, mit dem ich mich zum Gespräch getroffen habe, hält die Karriereperspektiven seiner Studenten für hervorragend. „Grund dafür ist, dass Chemie-Studenten nicht so stark in der Analytik ausgebildet werden. In ganz vielen Feldern werden aber Analytiker gebraucht. Da sind unsere Absolventen im Vorteil.“

Im Studiengang werden vor allem Methodenkompetenzen in den analytischen Disziplinen der Chemie, der Biologie und der Materialwissenschaften vermittelt. Einen weiteren Schwerpunkt im Studium setzen Fächer mit einem speziellen Bezug zur Forensik, wie z.B. Tatortarbeit, Pharmakologie und Toxikologie, Forensische Analytik und Recht. „Ein anspruchsvolles, anwendungsbezogenes und interdisziplinäres naturwissenschaftliches Studium“, fasst es Prof. Fink zusammen „bei dem viele Dozenten aus der Praxis kommen. So wird der Kurs „Spurensicherung“ von Polizeibeamten durchgeführt und die Rechtskunde von Richtern, Anwälten und Staatsanwälten.“ Rund die Hälfte der Lehrveranstaltungen findet übrigens in englischer Sprache statt.

Der noch recht junge Studiengang ist überaus gefragt: Auf die 80 Studienplätze, welche zum Wintersemester zur Verfügung stehen, kommen rund 500 Bewerber. Zum Wintersemester 2012/13 hätte man im Nachrückverfahren mit einer Note von 2,3 noch einen Studienplatz erhalten – oder alternativ fünf Wartesemester vorweisen müssen. Die Studierenden kommen aus ganz Deutschland und der Frauenanteil ist ungewöhnlich hoch. „Wir haben wirklich motivierte Studenten hier.“, so Prof. Fink. „Unsere Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Zufriedenheit unserer Studierenden hoch und die Stimmung unter den Studenten sehr gut ist.“ 

Nach dem Bachelor setzen die meisten Absolventen ihr Studium mit einem Masterstudiengang fort, gefragt sind u.a. Programme mit dem Schwerpunkt  Analytische Chemie (wie der Studiengang Analytische Chemie und Qualitätssicherung an der Hochschule  Bonn Rhein Sieg) oder auch Studiengänge mit dem Schwerpunkt Toxikologie.

Weitere Informationen zum Studiengang unter:
http://fb05.h-bonn-rhein-sieg.de/BSc+Naturwissenschaftliche+Forensik.html

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